Historie
Wie alles anfing
Von großer Ausstrahlung auf die Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte ist bis in die jüngste Zeit, über seinen Tod hinaus, das Wirken Karlgeorg Hoefers. Die Einladung von Prof. Larry Brady, in den Staaten einen Kalligraphie-Workshop zu geben, war der Anlass zu einem regelrechten Neubeginn seiner schriftgrafischen Aktivitäten. Karlgeorg Hoefer hielt 1981 einen vielbeachteten Vortrag im Klingspor Museum und gründete anschließend mit tatkräftiger Unterstützung seiner Frau, Maria Hoefer, die »Schreibkurse für Jedermann« in Offenbach.
Die Entwicklung der Schreibkurse war so positiv, dass er, mit Hilfe einiger Mitstreiter, schon bald an die Gründung eines eingetragenen Vereins dachte. In der Tradition der Schreibwerkstatt-Idee Rudolf Kochs, der angesehenen Schriftgießerei Klingspor in Offenbach und der Verbundenheit zum Klingspor Museum lag es nahe, im Vereinsnamen diesen Hintergrund anklingen zu lassen. Nach Rücksprache mit Frau Herta Klingspor gestattete sie, den Namen Klingspor in den zu gründenden Verein aufzunehmen. Wir wissen, dass Frau Klingspor zu den Gründungsmitgliedern gehörte. Aus Unterlagen des Archivs geht hervor, dass sie nach Karlgeorg Hoefer unter der Mitgliedsnummer 2 aufgeführt ist.
Nach dem Probelauf der ersten Jahre unter der Bezeichnung »Schreibkurse für Jedermann« erfolgte dann im Jahre 1987 die Eintragung »Schreibwerkstatt Klingspor Offenbach, Förderkreis internationaler Kalligraphie« als eingetragener Verein. Die Förderung der Schriftkunst war nun für viele Jahre durch die Aktivitäten des Vereins untrennbar mit der Person Karlgeorg Hoefers verbunden. Dieser Meister seines Faches motivierte und inspirierte viele Schriftbegeisterte in den Kursen der Schreibwerkstatt Klingspor Offenbach. Die Kursteilnehmer und Teilnehmerinnen kamen nicht nur aus dem Umkreis Offenbachs, einige nahmen eine Anreise von mehreren hundert Kilometern auf sich. In Workshops, Seminaren, Ausstellungen und internationalen Sommerschulen haben zahlreiche Profis und Amateure Anregungen und Weiterbildungschancen gefunden.
Vom Kalligraphie-Fieber angesteckt, entstanden ähnliche Einrichtungen sowohl in Deutschland als auch im europäischen Ausland. Sie bieten ein breitgefächertes Angebot zur Förderung der Schriftkunst. Besonders in den jährlichen Sommerschulen der Schreibwerkstatt Klingspor Offenbach lehrten amerikanische und europäische Dozenten.
In diesen Intensivkursen der Schreibwerkstatt unterrichteten z. B.: Marsha Brady, Larry Brady, Rick Cusick, Julian Waters, John Stevens, Suzanne Moore, Thomas Ingmire, Susan Skarsgard, Anna und Arne Wolf, Alan Blackman, Steven Skaggs, Laurie Doctor, Georgia Deaver und Carl Rohrs aus den USA, Villu Toots (EST), Ewan Clayton (UK), Jean Larcher und Denise Lach (F), Brody Neuenschwander (B), André Gürtler (CH), Denis Brown (IRL), Monica Dengo (I), Jovica Veljovic (YU/D), Hans-Joachim Burgert (D), Gottfried Pott (D). Das gesamte Kursangebot der Schreibwerkstatt Klingspor umfasst zurzeit bereits über 300 Schriftseminare. Eine weitere beeindruckende Zahl sei in diesem Zusammenhang erwähnt. An den Kursen haben nach heutigem Stand über 4500 Schriftinteressierte aus dem In- und Ausland teilgenommen.
Im Jahr 2008 drohte Gefahr für das Archiv der Schreibwerkstatt in Offenbach. Durch das großzügige Mäzenatentum eines Mitgliedes wurde das Archiv im Jahre 1993 eingerichtet, musste aber durch Veräußerung der Immobilie Ende 2008 aufgegeben werden. Nach intensiver Suche wurde eine neue bezahlbare Bleibe in Offenbach-Rumpenheim gefunden.
Am 8. Februar 2009 konnte die Schreibwerkstatt mit der festlichen Eröffnung des neuen Karlgeorg und Maria Hoefer Archivs einen großartigen Höhepunkt feiern. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass diese Entwicklung besonders durch den Einsatz von Dankwart Samel mit seinen Helferinnen und Helfern ermöglicht wurde. Durch die behutsame und fachkundige Renovierung ist es gelungen, den ehemaligen Industrieraum in ein Schmuckstück zu verwandeln.
Es ist selbstverständlich, dass sich aus den vielen Kontakten, Anregungen, Begegnungen und fachlichen Auseinandersetzungen während der Kursabende in Offenbach und in den Sommerschulen auch Freundschaften ergaben. Das Verbindende war und ist bis heute der Austausch von Problemen, die aus dem Schreiben entstehen und so in einen regen Austausch mit Gleichgesinnten münden.
Text von Gottfried Pott

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